Auch hier geht es letzten Endes um Verlagsverträge und das Urheberrecht. Die simpelste (und  sehr beliebte) Variante der Wiederauflage eines Buches ist, wenn das 70 Jahre nach dem Tod des Autors geschieht, denn dann ist unter Umständen das Urheberrecht abgelaufen. „Unter Umständen“ darum, weil es davon abhängt, welche Staatsangehörigkeit der Autor/die Autorin hatte. In Deutschland sind die Rechte 70 Jahre nach dem Tod es Verfassers erloschen, in anderen Ländern gelten andere Fristen. Sind die Urheberrechte erloschen, ist es recht einfach, mit Büchern in Wiederauflage zu gehen – das gesamte Projekt Gutenberg profitiert davon: rund 8.00 Werke deutscher Autoren finden sich da. Kostenfrei. Das ist sozusagen eine elektronische Wiederauflage von Büchern längst verstorbener Autor/innen. Unter anderem bieten auch viele Selfpublishing-Dienstleister solche Bücher an – leider oft in nicht allzu guter Qualität, diese Bücher sehen oft reichlich lieblos aus. Vor allem der Buchsatz lässt in vielen Fällen zu wünschen.

Aber unter Wiederauflage wird oft auch der Nachdruck oder die Neuauflage verstanden. Simpelster Fall: Das Buch wurde in einer zu niedrigen Auflage gedruckt, die ist vergriffen, es besteht noch Nachfrage, also wird neu gedruckt – oft auch, indem alte Fehler ausgemerzt oder veraltete Angaben korrigiert werden. Wie auch immer: Ohne das Einverständnis von Autor:innen geht das nicht – denn es ist und bleibt ja geistiges Eigentum des Menschen, der das Werk verfasst hat.

Sind die Änderungen minimal, kann es als 2. Auflage mit der gleichen ISBN-Nummer nachgedruckt werden. Das kann dann auch im Impressum vermerkt sein: „überarbeitete Auflage“. Muss aber nicht. Sind die Eingriffe größer, muss für das Buch eine neue ISBN beantragt werden – dann gilt es als neues Buch, irrtümlich oft auch „Neuauflage“ genannt.

Und was ist eine Wiederauflage im Selfpublishing?

Die Prinzipien sind im Selfpublishing an dieser Stelle genau die gleichen wie im „klassischen“ Buchdruck:

a) ohne Zustimmung von Autor:innen geht gar nichts

b) pro Buch EINE ISBN-Nummer. Bedeutet: Neue ISBN-Nummern werden erst dann nötig, wenn das Buch wirklich wesentlich verändert wurde. Etwa aktualisiert – was sich vor allem bei Sach- und Fachbüchern nicht nur empfiehlt, sondern einer der riesigen Vorteilen von Selfpublishing ist: Schneller als im Selfpublishing können Bücher kaum aktuell gehalten werden. Und wie schnell verändern sich die meisten Fakten, wie viele neue (wissenschaftliche) Erkenntnisse gibt es!

c) Denkbar wäre auch, sich an unterschiedliche Leserkreise zu richten: Wenn etwa die Ur-Form eines Buches ohne jede Abbildung auskam, Autor oder Autorin aber merken, dass die Leser:innen durchaus bereit wären, mehr Geld zu bezahlen, wenn es das Ganze auch mit Abbildungen gäbe, wäre das ein Fall von Wiederauflage – sozusagen im Leserinteresse. Dass sich in diesem Fall die Preise wohl deutlich voneinander unterscheiden, versteht sich von selbst. Und selbstverständlich gehört irgendwo in den Titel etwas wie „bebilderte Wiederauflage“.

d) Ein anderes Beispiel wäre die Wiederauflage im Selfpublishing von einem historischen Buch – vielleicht sprachlich überarbeitet, modernisiert, mit zeitgemässen Anmerkungen oder neuen Abbildungen versehen … In jedem Fall: anders als die ursprüngliche Ausgabe. Das könnten Selfpublisher mit allen Werken tun, deren Urheber:innen länger als 70 Jahre tot sind.

 

Dies ist ein Eintrag meines Selfpublishing-ABC, hier alle Beitrage auf einen Blick.

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