Auf der Webseite der Texthandwerkerin habe ich einen Beitrag mit sehr konkreten Tipps verfasst:

  • Wann, warum und für wen lohnt sich das Lesen von Schreibratgebern?
  • Welche halte ich für empfehlenswert – und warum?
  • Und: Über das Für und Wider, Schreibratgeber überhaupt zu lesen …
  • 16 Buchempfehlungen aus der Flut der Schreibratgeber.

Den ganzen Beitrag finden Sie hier.

Gegen den Strich lesen!

Was ich dort „unterschlagen“ habe, sind die sehr konkreten Ansätze, um solche Schreibratgeber individuell für sich zu nutzen. Ich denke nämlich: Da kann ein Blick „über den Tellerrand“ fast schon Wunder bewirken: Wer Ratgeber kreativ, unkonventionell und – vor allem auch thematisch – ein bisschen „gegen den Strich“ zu lesen versteht, profitiert mit Sicherheit von den sich verändernden Blicken auf ein und dieselbe Frage.

Kreativität gehört immer dazu

Kreativität ist für mich das wichtigste Stichwort dabei. Schließlich gehört sie immer dazu. Selbstverständlich beim Schreiben. Aber durchaus auch zur Nutzung der angebotenen Ratgeber-Literatur. Natürlich sieht sich jeder angehende Sachbuchautor erst mal in seinem Bereich nach passenden Ratgebern um, alle Autorinnen im Fiction-Bereich und wer Drehbücher, Lyrik oder Theaterstücke schreiben möchte, findet in „seinem Bereich“ ebenfalls eine Flut an Ratgebern. Fast noch mehr Ratgeberliteratur beschäftigt sich mit dem kreativen, therapeutischen und/oder biografischen Schreiben. Dazu braucht niemand irgendwelche Tipps – all diese Ratgeber springen einen ja förmlich an. Und bei der Auswahl spielt immer die Typ-, Sympathie- und Geschmacksfrage eine Hauptrolle – da sind Ratschläge bei der Auswahl so gut wie unmöglich. Und noch ein Tipp für alle, die es mit der Kreativität wirklich ernst meinen: Mal bei Nathalie Bromberger vorbeigucken! Ich kenne niemanden, der Kreativität so in allen Facetten lustvoll, klug und – nun, eben: kreativ – zu beleuchten weiß. Macht Freude!

Dankbarkeit ist wundervoll – aber kein brauchbarer Rat

Und: Es gibt absolut keinen Beweis dafür, dass jemals irgendein Autor, eine Autorin allein durch das Lesen von Schreibratgeber XY Erfolg hatte! Wirklich keinen! Sicher: Manchmal sagen dankbare Autor/innen: „Das und das Buch hat mir sehr geholfen!“ Das ist in jedem Fall eine freundliche Geste. Und genau darum geht es: Hier wird sehr individuelle Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Zur Nachahmung für andere Autor/innen taugt das aber nicht. Sonst könnten sich ja beispielsweise Eltern von Hollywoodstars nach einer Dankesrede ihrer Söhne/Töchter zur Preisverleihung vor Adoptions-Anträgen von noch nicht ganz so erfolgreichen Schauspieler/innen kaum mehr retten … Etwas weniger blumig ausgedrückt: Was für den Einen funktioniert hat, muss für die Andere noch lange nicht taugen. Und die Gründe dafür sind absolut individuell.

Ein paar Blicke über scheinbare Genre-Grenzen

Wenn es jetzt also nicht DEN einen erfolgversprechenden Schreibratgeber für jeden gibt, warum dann nicht einfach mal die Blickrichtung ändern? Zum Beispiel, indem man ganz bewusst den Blick auf das Genre wechselt. Sachbuchautor/innen könnten nach dem Lesen eines Ratgebers für Drehbuchautor/innen das eigene Schreiben wieder sehr viel interessanter finden, sich unter Umständen auch Tricks zur dramaturgischen Gestaltung ihres Stoffes „abgucken“.

Oder Autor/innen von fiktionaler Literatur: Die neigen – meist dann, wenn sie unsicher werden – gern dazu, plötzlich recht ausufernd zu schreiben, zu viele Adjektive und Füllwörter zu verwenden. Da hilft einer wie William Zinsser mit seiner kategorischen Haltung „keep it short an simpel“ (auch als KISS-Formel bekannt) sicher dabei, schnell wieder auf dem Boden der (Sprach-)Realitäten anzukommen. Der Witz dabei: Der Titel seines Ratgebers, den ich hier meine, lautet: „Nonfiction schreiben“ – ist also nicht unbedingt das, was Roman-Autor/innen auf Anhieb wählen würden.

Oder: Viele Autor/innen profitieren davon, das „private“ vom „beruflichen“ Schreiben zu trennen. Gerade, weil das oft nicht zu hundert Prozent gelingen wird, mag irgendwann der Punkt kommen, an dem aus einem „privaten“ Gedanken das Samenkorn zum nächsten Roman entsteht. Darum ist es sicher keine schlechte Idee, sich intensiver mit dem „kreativen“, dem „freien“ Schreiben zu beschäftigen – auch, wenn es häufig den Stempel „autobiografisches Schreiben“ aufgedrückt bekommt. Und ein netter Nebeneffekt dabei ist, dass die meist sehr spielerischen Übungen dieser Ratgeber einem auch wieder den Spaß am Schreiben (zurück) geben können.

Dann gibt es noch das „therapeutische Schreiben“ – und die „Therapie“ bezieht sich dabei immer auf den schreibenden Menschen. Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass Romanautor/innen solche Prinzipien auf ihre Figuren „übersetzen“ könnten. Etwa: Wie entwickelt sich etwas, wenn ich mich intensiv damit beschäftige? Oder: Wie und in welchen Moment platzen „Knoten“?

Sachbuchautor/innen wiederum könnten sich mit den Prinzipien vertraut machen, die es braucht, um das „Kopfkino“ ihrer Leserinnen und Leser (wieder) in Gang zu setzen ….

Warum nicht?

Mit dem Gedanken des Blickwechsels sind sehr viele Kombinationen möglich. Eines haben sie durchaus alle  gemeinsam – und das ist ein netter Nebeneffekt: Wer sich beim Schreiben nicht allzu sklavisch an strikte Vorgaben (die es beim Schreiben sowieso NIEMALS gibt!) hält, beugt durch die spielerischen Blicke in andere Genres und Handlungsvorschläge immer auch recht wirksam jeder Form von Schreibblockade vor. Also: Warum nicht? Ich bin nämlich sehr ernsthaft der Ansicht, dass das Schreiben Spaß machen sollte!

 

In eigener Sache

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Die Trilogie des Eigensinns besteht bislang aus zwei Büchern – die sich ohne Probleme auch wunderbar getrennt voneinander lesen lassen. Macht durchaus Sinn, denn sie bilden zwar eine „Familie“, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte. In „Mein Kompass ist der Eigensinn“ geht es darum, wie wir Eigensinn erkennen, ihn für uns entwickeln können. Aber auch darum, wo er seine Grundlagen hat, welche Vorbilder ich gefunden habe – und wie er uns helfen kann. Als Kompass zum Beispiel. Oder beim Schreiben von (eigenen) Büchern.
In „Wer schreibt, darf eigensinnig sein“ steht eigentlich schon alles Wichtige im Titel: Es geht um die praktische Realisierung des Schreibens mit Eigensinn, um Kreativität, aber auch um Selfpublishing. Da gibt es jede Menge Praxistipps, Übungen und Beispiele. Aber auch die Spiellust – meiner Ansicht nach ein wichtiges Schreib-Instrument – kommt nicht zu kurz. Zum Beispiel mit dem Selbsttest „Welcher Schreibtyp bin ich eigentlich?“ Der zieht sich – augenzwinkernd bis ernst – durch das ganze Buch. Und trotzdem hat dieses Buch ganz klar im Untertitel stehen: „kein Schreibratgeber“. Damit möchte ich klarmachen: Mit dem „Gießkannenprinzip“ sollte hier nicht gerechnet werden!
Beide Bücher auf einen Blick – und auch zum Bestellen – im Shop der Autorenwelt hier. Aber natürlich auch überall sonst, wo es Bücher gibt.


 

Ich danke allen, die diesen Beitrag teilen mögen!