Keine Frage: Es gibt sie, die guten Schreibratgeber. Die das notwendige Handwerkszeug des Schreibens vermitteln, am besten so filigran wie möglich nach Themenfeldern, Wünschen, Genres unterteilt sind, wie es nur geht. Zum Schreiben eines Expertenbuchs beispielsweise hat vor nicht allzu langer Zeit Daniela Pucher einen wirklich guten Ratgeber verfasst. Oder die Reihe des Duden-Verlags, in der Hanns-Josef Ortheil als Herausgeber fungiert: Literarische Schreibwerkstatt als Meisterkurs heißen diese „Schreibverführer“. Sie sind so filigran unterteilt, dass sie zu jeder Art des Schreibens, zu fast allen Themen, Genres und Orten je einen Band: anbieten: zum „Schreiben über mich selbst“ genauso wie zu Journalen und Tagebüchern, Krimis, Mord- und Schauergeschichten, Skizzen, dem „Schreiben auf Reisen“. Oder „Schreiben unter Strom: Experimentieren mit Twitter, Blogs, Facebook & Co“ von Ortheil-Schüler Stephan Porombka.

Aber allein schon durch die Betonung der „filigranen“ Unterteilungen wird bereits klar: EIN Schreibratgeber für alles und jede:n ist ein Ding der Unmöglichkeit. Noch schlimmer wird die Sache, wenn sich jemand vorgenommen hat, seinen Eigensinn zum Schreiben eigener Bücher zu nutzen. Genau das ist Punkt, der mich schon sehr lange ärgert. Denn ein solches Denken setzt voraus, dass wir beim Schreiben alle gleich sein könnten. Aus meiner Sicht kann es keine grundfalschere Annahme mit Blick auf das Schreiben geben als diese!

Kein Schreibratgeber!

Darum hat mein zweites Buch aus der Trilogie des Eigensinns Wer schreibt, darf eigensinnig sein schon ganz klar im Untertitel stehen „kein Schreibratgeber“. Das ist weder kokett noch zynisch. Sondern für mich eine absolut notwendige Vorbedingung beim Schreiben dieses Buches gewesen, eine meiner Motivationsquellen, meine Mission – wenn Sie so wollen. Denn ich habe mich immer gefragt: Wo bleibt in dieser Fülle der Schreibratgeber eigentlich der Mensch?! Darum nenne ich dieses Buch manchmal auch „das Vorspiel zum Schreib-Akt“.

Meine feste Überzeugung ist: So, wie wir alle unterschiedlich schreiben, sehen wir erst einmal auch die Welt aus unseren jeweils eigenen Augen. Völlig subjektiv, jeder und jede anders. Und das gilt für all unsere Sinneswahrnehmungen. Darum tue ich auf den ersten 90 Seiten dieses Buches auch kaum etwas anderes, als Anregungen dafür zu geben, was wir tun können, um UNSERE Spur auf dem Weg zum Eigensinn aufzunehmen. Eine Hauptfrage dieses Buches ist: „Wie ticke ich?“ Klassische Schreibratgeber fragen in aller Regel nur: „WIE mache ich das?“ Mir geht es um ganz andere Fragen. Vor allem: „WAS? Und WARUM? Warum dieses und nichts anderes? Warum ICH und niemand sonst?“

Was ist dein Ziel, was macht dich glücklich?

Auf alle Menschen, die heute schreiben wollen, wartet eine derartige Flut an Schreibratgebern, dass sich darüber leicht verzweifeln lässt. Der eine rät, sofort und auf der Stelle nichts Geringeres als den nächsten Bestseller anzupeilen, manche versprechen sogar, das „in vier Tagen“ – oder so ähnlich – zu erreichen. Der nächste kommt kaum aus dem wenig produktiven Meditations-Modus raus, der dritte sagt etwas wie „bloß nicht nachdenken, einfach loslegen!“ Und der vierte ist ein Sammelsurium praktischer Schreibübungen. Manches davon hat durchaus seine Berechtigung. Trotzdem erschreckt es mich regelmäßig. Denn meistens fehlt dabei ein meiner Ansicht nach zentraler Aspekt: Die Fragen „Wer bist du eigentlich? Was willst du? Wie tickst du? Was ist dein Ziel, was macht dich glücklich?“ Der Grund liegt auf der Hand: Es gibt darauf mindestens so viele Antworten, wie es Menschen mit dem Wunsch gibt, ein Buch zu schreiben. Doch wenn nie nach mir gefragt wird, laufe ich ständig Gefahr, mich von den Versprechungen der Ratgeber 1 bis 987 verführen zu lassen. Wo soll das enden?! In dem Wunsch, immer besser zu werden, verschlinge ich einen Ratgeber nach dem anderen. Und komme doch nur schwer an ein Ziel, an mein Ziel. Dem möchte ich mit dem Begriff des ‘eigensinnigen Schreibens’ einen Riegel vorschieben. Wer sich erst einmal mit sich, seinen Wahrnehmungsmustern, seinem Stil, seinem Rhythmus, seinen Schreib-Besonderheiten, seinem Weg zum Buchthema und natürlich dem Buchthema selbst beschäftigt hat, lässt sich so schnell nicht mehr verführen. Und wenn das nicht allein gelingt, sollte er oder sie sich dafür Beratung durch einen Menschen suchen, der sich dem Schreibcoaching verschrieben hat.

Die Reihenfolge macht den Unterschied

Um es klar zu sagen: Die Reihenfolge ist entscheidend! Erst kommt mein Eigensinn. Und danach vielleicht – wenn ich ihn dann noch brauche – ein Schreibratgeber. Wer anders herum vorgeht, läuft Gefahr, der Wahrnehmung, dem Weg, den Ideen und Schwerpunkten fremder Menschen zu folgen. Genau das ist aus meiner Sicht grundfalsch. Erst kommen meine Wahrnehmung, mein Weg, meine Ideen und Wünsche, danach kommt alles andere.

In eigener Sache

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Die Trilogie des Eigensinns besteht bislang aus zwei Büchern – die sich ohne Probleme auch wunderbar getrennt voneinander lesen lassen. Macht durchaus Sinn, denn sie bilden zwar eine „Familie“, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte. In „Mein Kompass ist der Eigensinn“ geht es darum, wie wir Eigensinn erkennen, ihn für uns entwickeln können. Aber auch darum, wo er seine Grundlagen hat, welche Vorbilder ich gefunden habe – und wie er uns helfen kann. Als Kompass zum Beispiel. Oder beim Schreiben von (eigenen) Büchern.
In „Wer schreibt, darf eigensinnig sein“ steht eigentlich schon alles Wichtige im Titel: Es geht um die praktische Realisierung des Schreibens mit Eigensinn, um Kreativität, aber auch um Selfpublishing. Da gibt es jede Menge Praxistipps, Übungen und Beispiele. Aber auch die Spiellust – meiner Ansicht nach ein wichtiges Schreib-Instrument – kommt nicht zu kurz. Zum Beispiel mit dem Selbsttest „Welcher Schreibtyp bin ich eigentlich?“ Der zieht sich – augenzwinkernd bis ernst – durch das ganze Buch. Und das ist KEIN Schreibratgeber!
Beide Bücher auf einen Blick – und auch zum Bestellen – im Shop der Autorenwelt hier. Aber natürlich auch überall sonst, wo es Bücher gibt.


 

 

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